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Wie kann ich als Single glücklich sein!?

In den vergangenen Wochen wurde ich mehrfach gefragt wieso ich als Single „so glücklich bin und das Leben als Single so sehr liebe“. Und wie man das auch erreichen kann? Also quasi: wie kann ich meinen Fokus ändern, und lernen das Alleinsein auszuhalten (oder sogar zu genießen), während ich doch eigentlich nichts außer einer Partnerschaft will?
Ich habe einige Tage darüber nachgedacht, und dachte es wird Zeit für einen neuen Blogartikel.

Zunächst einmal direkt vorneweg: Ich bin nicht immer glücklich in meinem Leben – oder besonders in meinem Leben als Single, um das es hier jetzt ja im Besonderen geht. Und ich liebe es auch nicht immer. Manchmal ist das Leben als Single ziemlich beschissen, was übrigens auch mein direkter Einstieg in mein Buch ist. Es macht nicht immer Spaß, und es ist nicht immer nur ein Leben in rosa Single- Wolken, voller fröhlicher Vorteile. Auch bei mir nicht!
Ich weiß wie schlimm sich Einsamkeit anfühlen kann und wie verunsichernd es ist, wenn um dich herum scheinbar jeder den Mann oder die Frau fürs Leben findet. Die tun ja meistens nicht mal was dafür: sie atmen, und schwupp ist er da! Ziemlich unfair, oder?! Wahrscheinlich waren sie in dem Moment auch völlig verstrubbelt im Supermarkt, in Jogginghose, und wollten nur schnell noch Joghurt kaufen – und es war Liebe auf den ersten Blick. Ist ja irgendwie immer so… Mir ist das noch nicht passiert. Aber vielleicht laufe ich zu selten in Jogginghose durch den Supermarkt. Und dann sind da noch die Freundinnen, die seit Jahren betonen, dass sie keinen Freund brauchen. Sie wollen keinen Mann, sie suchen keinen Mann. Und trotzdem fliegt er ihnen zu. Und dann sagen sie dir so schlaue Sachen wie: „Du musst aufhören zu suchen! Sei nicht so verbissen. Du musst es loslassen und aufhören. Dann kommt er von ganz allein!“ Okay, ich lass das also los, tu so als würden mich Männer nicht mehr interessieren und auf dem Höhepunkt meiner Ignoranz kommt er dann- aber dann muss ich schnell genug wieder offen genug sein, sonst ist er wieder weg bevor wir uns richtig kennenlernen konnten.

Ich verstehe wie unfair sich das anfühlt. Und es ist ungerecht, dass andere das so lockerflockig hinkriegen, und du selbst mit einem Masterplan und viel gutem Willen, Beten und hoffen immer noch niemanden getroffen hast, mit dem du dein Leben verbringen willst. Oder er mit dir.

Ich kann dir kein Patentrezept nennen, weil ich mir ziemlich sicher bin, dass es keines gibt. Aber ich kann dir sagen was ich bisher gelernt habe, und vielleicht hilft es dir auch:

1. Wahrnehmen und Aushalten
Ich glaube, dass es zuallererst wichtig ist, dass du deine Gefühle wahrnimmst. Die guten wie die schlechten. Ohne sie direkt zu verurteilen, ohne sie zu bewerten, schlecht zu reden oder vielleicht auch zu ignorieren. Es ist okay! Es ist okay, dass du traurig bist, dass du wütend bist oder verzweifelt, weil du nicht mehr weißt, ob sich an deiner Situation jemals was ändern wird. Gesteh dir selbst zu, dass all diese Gefühle da sind. Und es ist okay! Ich finde eine der schwersten Sachen ist genau das auszuhalten. Wer will sich schon einsam, traurig, wütend oder schlecht fühlen? Ja, du wünschst dir etwas anderes, und das ist okay! Warum ich Aushalten so wichtig finde? Weil ich nur so dadurch gehen kann. Weil ich nur dann keine faulen Kompromisse eingehe. Eine kurze Affäre, ein One- Night- Stand, Ablenkung durch Netflix, Instagram und Co oder eine Beziehung zu jemandem, der mir nicht guttut, werden nicht helfen! All das füllt den Mangel in mir nicht aus! Nix gegen Netflix – ich kann dir ein paar gute Serien empfehlen – mir geht es eher darum deine Seele nicht abstumpfen zu lassen, weil du den Schmerz in dir nicht mehr erträgst.
Ich glaube sowieso, dass es solche und solche Phasen gibt. Und mal ist es leichter und mal schwerer – und auch das gilt es auszuhalten. Die Momente, in denen du das Gefühl hast es zerreißt dich innerlich ebenso wie die Momente in denen du vor Glück platzen könntest – auch das soll es ja bei Singles geben;).

2. An Gott abgeben
Der zweite Punkt, von dem ich gelernt habe wie wichtig er ist: immer wieder mit Gott besprechen und ihm die Dinge überlassen. Ich habe es nicht in der Hand. Und ich vertraue darauf, dass sein Plan für mich gut ist. Ich vertraue darauf, dass sein Wort wahr ist, dass es stimmt. Das bedeutet auch, dass ich darauf vertraue, dass er mich sieht. Gott sieht mich oder dich nicht an und sagt „Stell dich nicht so an!“ und er sagt auch nicht „Bete ein bisschen mehr, dann schenke ich dir was dein Herz sich wünscht!“ Single zu sein ist auch keine Strafe von Gott für irgendetwas, das du falsch gemacht hast! Er sieht dich! Er geht mit dir!
Meine Wünsche an Gott abzugeben heißt nicht, dass ich immer Antwort bekommen werde. Aber ich weiß, dass er mit-fühlt, mit-weint und vor allem mit mir aushält. Und das tröstet mich. Er macht meine Gefühle nicht klein, er ist nicht genervt oder überfordert.

3. Mit Menschen teilen
Was mir außerdem hilft ist, meine Gefühle und Situation mit Menschen zu teilen. Das können enge Freunde sein, das kann eine Seelsorgerin sein – du könntest aber auch nach einer Gruppe von Menschen suchen, die in einer ähnlichen Situation wie du ist und die dich versteht, begleitet und wo du das was du sagst und teilst einfach stehen lassen kannst. Das können geschützte Selbsthilfegruppen sein, Single-Treffs und vieles mehr. Ich lerne im Moment immer mehr mit meinen Freunden zu reden. Zu teilen was ich empfinde, zu erzählen wie es mir geht. Das betrifft nicht allein das Thema Single-Sein. Sich verletzlich zu machen bedeutet immer Mut und Risiko. Aber ich finde es lohnt sich. Und auch sie müssen nicht immer eine schlaue Antwort haben (das sage ich ihnen auch manchmal;). Es reicht, wenn sie mit mir aushalten, mit mir fühlen, sich das anhören und da sind. Mehr braucht es manchmal gar nicht.
Übrigens: deine Freunde, denen der Partner schon beim Atmen zufliegt, können nichts dafür. Sei nicht sauer auf sie oder eifersüchtig oder wütend. Sie machen das nicht mit Absicht und ihr Glück bedeutet nicht dein Unglück! Deshalb zieh dich nicht von ihnen zurück – teil dich mit, zeig dich!

4. Weitergehen
Mein letzter Punkt: sei offen! Sei offen für die überraschend schönen Dinge, die Gott für dich bereithält. Wenn du den Fokus nur auf den nicht vorhandenen Partner setzt, verlierst du den Blick für das Gute. Übe dich darin dankbar zu sein für das was du hast, für das was und wer du bist. Wenn ich manchmal die Geschichten von Ehepaaren höre, ihre Herausforderungen und Kämpfe, dann wird mir klar, dass das Leben in Beziehung nicht rosa-rot ist. Es ist nicht immer einfach und manchmal bedeutet es ebenfalls auszuhalten, durchzugehen, zu kämpfen und sich Menschen mitzuteilen, um all das nicht alleine tragen zu müssen. Denke nicht, dass Paare es immer leichter haben als du! Deine verheirateten Freunde brauchen genauso dein Gebet und deine Fürsorge, dein Mitfühlen und Mitleiden. Alles hat zwei Seiten, deshalb: sei dankbar für das was du hast: deine Freunde, deine Familie, deine Arbeit, dein Studium, guten Kaffee, Zeit für dich, gute Bücher, Musik, den Wald um die Ecke zum Joggen, den Sushi- Laden in der Stadt oder dass du am Wochenende ausschlafen kannst. Gott hat Leidenschaften in dich hineingelegt – und das nicht umsonst! Dein Herz schlägt für etwas – seien es Menschen, Gerechtigkeit, Musik und Kunst oder was auch immer. Lass nicht zu, dass der Fokus auf deinen Mangel dich abhält dein Leben zu leben. Geh los! Warte nicht, bis dein Mann kommt. Dafür ist das Leben zu kurz! Lebe deine Berufung, lerne sie kennen, fang an zu üben, probiere neue Dinge aus, mach dich auf in das Abenteuer deines eigenen Lebens. Lass dich gebrauchen, sei ein Segen! Das füllt dein Herz übrigens auch mit Dankbarkeit! Dein Leben ist nicht sinnlos. Jesus hat uns das Leben in Fülle versprochen – also lass ihn uns beim Wort nehmen und mit ihm herausfinden, was das für unser Leben bedeutet! Lass nicht zu, dass dein Blick auf das was dir fehlt dir einreden kann, dass du nicht richtig oder nicht vollständig bist. Du bist so viel mehr als nur Single!

und raus bist du

Januar, Zeit für ein neues Projekt. Und ich hab mir gedacht, ich erzähl euch ein bisschen davon. Wer weiß was es für Aktionen auslöst:)!

Anfang des Jahres, und Zeit für was Neues! Dabei geht es nicht um ein Buch oder um eine Lesetour (kommt Zeit…), sondern um etwas das mich persönlich betrifft. Mich und meine Wohnung. Denn ich habe schon seit langem das Gefühl dringend mehr Raum zu brauchen. Raum zum Atmen, Raum zum Leben – ich will weniger von dem was in meinen vier Wänden ist! Wirklich, weniger!!!! Zack, und schon war die Sache beschlossen. Einen Tag später fand ich – wunderbarerweise – eine neue Dokuserie bei Netflix: Aufräumen mit Marie Kondo. Woopwoop! Marie Kondo ist Japanerin und die Aufräumexpertin schlechthin (Martha Stewart ist nichts dagegen!). Ich lese seit Jahren Artikel über ihren Ansatz aufzuräumen und auszumisten. Zugegeben: ohne etwas davon umzusetzen. Aber in meinem Kopf klang es immer gut! Also sah ich ihre neue Serie und was soll ich sagen? Ich war inspiriert. Und da ich so unbedingt etwas Neues wollte, so unbedingt meinen Hausstand minimieren und ausmisten wollte, beschloss ich Marie eine Chance zu geben. Nach einer sorgfältigen Planung und einem Besuch im schwedischen Einrichtungshaus musste ich feststellen: diese bahnbrechende Idee am Anfang des Jahres hatte nicht nur ich – ganze Serien an Boxen und Schachteln waren ausverkauft! Komplett! Aber: ein paar Boxen fand ich noch, denn Boxen sind bei Marie Kondo suuuuuper wichtig!

Und was soll ich sagen? Die erste Woche ist um, und mein Leben sieht ein kleines bisschen anders aus:). Zumindest meine Wohnung. Angefangen hab ich mit dem Kleiderschrank: alles auf einen Haufen und dann sortiert. Immer mit Marie Kondo im Ohr, die bei jedem Teil fragt: „Does it spark Joy?“ Was Freude macht behältst du, der Rest fliegt mit dankbarem Herzen raus. Als alles sortiert war begann das Falten. Und ja, ich war dabei fast am meisten über mich überrascht. Aber: am Ende des Abends stand meine Kleidung aufrecht gefaltet (oh ja!) in verschiedenen Boxen im Kleiderschrank. Zurück auf dem Sofa fühlte sich das ziemlich gut an. Es gab nur ein Problem: es sah IM Kleiderschrank gut aus – das sieht niemand sonst. Und der Rest der Wohnung sah plötzlich noch unstrukturierter und voller aus.

Seitdem ist viel passiert. Nachdem Montag der Kleiderschrank fällig war, waren laut Reihenfolge von Marie Kondo die Papiere dran. Furchtbare Reihenfolge, denn wenn ich in einer Sache schlecht bin, dann alles rund um Papiere. 4,5 Stunden später waren alle Haufen und Stapel sortiert, Papiere ausgemistet und weggeschmissen uuuund alles wieder geordnet. Horror. Mittwoch folgten Wandschrank, Vorratsschrank und Regal in der Küche. Samstag die Küche selbst. Und was soll ich sagen!!?? Jedes Mal zuerst den kompletten Inhalt außerhalb der Schränke vor mir zu sehen war überwältigend – und zwar im negativen Sinne!:) Aber dann war es umso toller jeden Morgen schon Müllsäcke und Taschen voller Kram aus meiner Wohnung zu schleppen! Mit jeder Tasche, die die Wohnung verlässt wird mehr Platz und Raum in meinen vier Wänden, und gleichzeitig motiviert es mich weiterzumachen.

Ich persönlich finde ja, dass Aufräumen meditativ und heilsam ist. Sowohl innerlich als auch äußerlich, wobei das innerliche Aufräumen anstrengender und wahrscheinlich wesentlich langwieriger ist als das lediglich Auf- und Ausräumen meiner Sachen. Dennoch: beides ist wichtig!

Was ich nach dem ganzen Ausmisten machen will? Weiß ich noch nicht. Erstmal fertig werden;)! Denn noch fehlen einige Bereiche meiner Wohnung. Aber dann, wenn die fertig ist, und dann vielleicht sogar noch der Keller (DER KELLER!!!), dann glaube ich, dass sich das ziemlich gut anfühlen wird. Freier, und leerer, und dennoch persönlich und wohnlich. Mit mehr Raum zum Leben, mehr Raum zum Denken, mehr Raum für neue Ideen. Das wird gut, richtig gut! Aber bis dahin warten noch Bücher auf mich. Und Deko, und Büromaterial. Und dann kommen da zum Schluss noch Fotos, Karten und Briefe – denn das persönliche Zeug kommt zum Schluss, sagt… ihr wisst schon!
Wer jetzt Lust hat loszulegen und interessiert ist wie und womit ihr anfangen könntet: schaut im Internet nach Marie Kondo oder der Konmari- Methode. Und dann übernehmt ihr das was euch zusagt.

Mein Lieblings-2018

Ich habe diese Woche einen Spruch gelesen: „2019 beginnt in wenigen Tagen und ich versuche immer noch 2018 zu verstehen.“ Den Satz fand ich irgendwie sehr passend. Denn irgendwie ist es so, sowohl was die guten als auch die schlechten Momente angeht, gibt es vieles das ich in diesem Jahr nicht verstanden habe.
ABER: Ich liebe es mir zwischen den Feiertagen am Ende eines Jahres Zeit zu nehmen um das Jahr Revue passieren zu lassen. Ich denke über die verschiedenen Erinnerungen nach, über das was ich erlebt und gelernt, geliebt und gehasst habe.
Ob es dich nun motiviert oder inspiriert, dich zum Schmunzeln bringt oder dich an deine persönlichen Momente erinnert – hier kommt mein Lieblings-2018:

Ein WORT: Ich würde 2018 als ABENTEUERLICH beschreiben. Es war herausfordernd, unfassbar schön, herzzerreißend traurig, und alles in allem war es abenteuerlich.
Mein UNWORT des Jahres ist in jedem Fall DSGVO!!

Mein LIEBLINGSSONG in diesem Jahr ist ein Medley aus verschiedenen Liedern. Okay, ich kann mich nicht entscheiden. Aber eines meiner Lieblingslieder war in jedem Fall „Reckless love“. Am lautesten im Auto mitgesungen habe ich bei „Zusammen“ von den Fantastischen Vier & Clueso.

Mein LIEBLINGSFILM waren jedenfalls nicht die vielen Weihnachtsfilme, die ich gesehen habe. Bei allen weißt du nach dem ersten Satz wie sie ausgehen, sie sind schlecht synchronisiert, haben zum Teil dieselben Hauptdarsteller – aber sie sind herrlich unrealistisch, und deshalb habe ich sie trotzdem fast alle gesehen.

Die PARTY des JAHRES war zufälligerweise mein 30. Geburtstag. Weil so viele meiner Freunde an dem Tag zusammen waren und sich meine engsten Freundinnen, die sonst über die Republik verteilt sind, kennengelernt haben. Das war super!

AUSFLÜGE gab es auch einige in diesem Jahr. Ich habe tolle Zeiten in Süddeutschland verbracht und die Roadtrips mit Freunden genossen, war aber auch viel alleine unterwegs, habe das Meer gesehen, neue Orte entdeckt und in einem hübschen Hotel in Hessen übernachtet. Der Tag auf der Frankfurter Buchmesse war wahrscheinlich einer der aufregendsten Ausflüge. (Und ja, ich würde wieder hin!)

In den vergangenen Jahren habe ich jedes Jahr etwas NEUES zu ESSEN probiert. Angefangen mit Sushi über Macarons bis hin zu Bratapfel. Ein Ziel hatte ich für dieses Jahr nicht, aber ich habe zufälligerweise Gin Tonic probiert. Und zufälligerweise finde ich dieses Getränk ganz gut. Für nächstes Jahr nehme ich mir Churros vor – dafür muss ich dann wohl mal auf einen Weihnachtsmarkt gehen oder so – hat also noch Zeit.

Eines der HIGHLIGHTS in diesem Jahr war auf jeden Fall „das Buch“. Ich habe so unfassbar viel erleben dürfen. Ich durfte in einer Live- Sendung im Radio dabei sein (ohne Witz, Radio macht so viel Spaß!! Ich muss unbedingt wieder eingeladen werden!). Ich habe so viele neue Menschen kennengelernt und so viele tolle Mails und Rückmeldungen zu dem Buch erhalten. Eure Geschichten und euer Feedback sind ein echter Segen – danke für euer Vertrauen! Selbstverständlich gab es auch ein paar Hater, aber die hielten sich zum Glück im Hintergrund! Ich bin immer wieder überrascht über das was ich durch und mit diesem Buch erleben darf, und unfassbar dankbar für diese Reise. Und dann gab es da noch die beiden Leserpreise – so cool!!! Mittlerweile gibt es schon Terminanfragen für 2020, was sich sehr komisch anfühlt. So läuft das jetzt also. Na gut, dann plane ich einfach etwas weiter im Voraus!

Der PEINLICHSTE MOMENT in diesem Jahr ist schwer zu definieren – ich ziehe peinliche Dinge meist von alleine an. Aber ich habe in diesem Jahr gelernt, dass die Dinge relativ sind. Ich habe über ein halbes Jahr ein englisches Wort in der Gemeinde von der Bühne ins Mikro falsch gesungen. Kennt die Gemeinde das Lied deshalb jetzt falsch? Ja! Ist es sehr schlimm? Nein, sie wissen es ja zum größten Teil (noch) nicht. Und wenn sich dein Handy selbstständig macht und einen Freund mit einem Videoanruf beglücken will, während du auf der Toilette bist, dann wird alles noch viel relativer! An dieser Stelle sei gesagt, dass ich rechtzeitig auflegen konnte!!! (Keine Diskussionen bitte weshalb ich das Handy mit ins Bad nehme!!) Oh, ich hab Snapchat für mich entdeckt – manch einer würde das auch zu peinlichen Dingen zählen.

Was ich GELERNT habe? Ich habe unfassbar viel gelernt! Zum Beispiel, dass es sich lohnt ein Wagnis einzugehen. Ich habe einen Job gekündigt ohne zu wissen wie es weitergeht. Und wurde belohnt! Ich habe einen tollen Arbeitsplatz mit tollen Kolleginnen und einem Arbeitsumfeld, zu dem ich morgens gerne fahre. Ich habe gelernt, dass ich nicht die Kontrolle über alles habe (Das wusste ich aber eigentlich schon vorher), und dass ich manches nie verstehen werde. Und in diesen Momenten habe ich gelernt darauf zu vertrauen, dass Gott treu ist. Und dass er sich kümmert. Ich brauche keine Lösung, ich muss nicht in den Kampf gehen, und schon gar nicht muss ich eine schlaflose Nacht mit möglichen Gesprächsfetzen in meinem Kopf verbringen vor denen ich Angst habe. Ich darf Jesus bitten sich darum zu kümmern. Und das Verrückte ist: er macht es! Ich habe gelernt, dass er so viel mehr für uns hat als wir von ihm erbitten. Und dass er es liebt uns zu überraschen und zu versorgen. Manchmal vergesse ich das. Und manchmal sehe ich das auch erst viel später. Aber er ist immer da. Und immer treu. Und er kümmert sich. Immer. Mal laut, mal leise, mal durch andere Menschen oder durch Musik, durch Worte oder wenn ich es am wenigsten erwarte. Als ich mich allein gefühlt hab, hat er mir gezeigt wo überall Menschen sind, die sich um mich sorgen, die mich lieben. Das hat meinen Blick sehr schnell verändert.

Was ich außerdem wieder neu gelernt habe ist, dass ich unfassbar beschenkt bin. Ich habe neue Freundschaften geschlossen und erlebt, dass Freundschaften zwischen Männern und Frauen wertvoll sind ohne kompliziert zu sein oder werden zu müssen. (Sollte ich ein Fortsetzungsbuch schreiben wäre das in jedem Fall ein Kapitel wert…;).
2018 war intensiv. Ich habe noch nie so sehr über den Verlust eines Menschen geweint und getrauert wie in diesem Jahr. Und doch bin ich dankbar für die gemeinsame Zeit, die wir hatten. Was ich sagen will: das Leben ist nie so wie wir es geplant hatten. Ich habe 2017 gesagt, dass 2018 großartig wird. Das erste halbe Jahr über war ich gesundheitlich so angeschlagen, dass es mich zermürbt hat. Ich hatte Schmerzen, konnte nicht die Dinge machen, die ich gern machen wollte, Ärzte waren auch nicht immer hilfreich (wobei ich gelernt habe wie wunderbar mein Humor funktioniert während der Anästhesist eine passende Vene sucht!!), und all das zog sich unfassbar lang hin. Ich hatte keine Geduld mehr, um Geduld zu haben. Es war nichts so wie ich es mir für 2018 erdacht oder geplant hatte – weder die guten Sachen noch die schlechten. Manches habe ich nicht kommen sehen, anderes hat meine Erwartungen weit übertroffen. Und trotzdem bin ich dankbar. Für alles. Weil es mich geprägt hat, weil ich gewachsen bin, weil ich lernen durfte. Habe ich Lust auf 2019? Naja, ich glaube es wird nicht weniger herausfordernd oder anstrengend oder abenteuerlich – aber ja, ich bin dabei! Was ist mit dir? Bereit für Neues?

„Wieso hast du eigentlich keinen Mann??“

Gestern erhielt ich eine Mail, in der ich gefragt wurde wie ich damit umgehe, wenn Kinder mich fragen warum ich nicht verheiratet bin. Das ist eine gute Frage, habe ich mir gedacht als ich überlegte was ich darauf antworten kann. Das hat mich noch keiner gefragt. Und dann fiel mir eine Geschichte ein:

Es war Zeit für die erste Hochzeit in diesem Jahr. Ich saß mit all den anderen Gästen in der Kirche, die Trauung lief bereits, als plötzlich die Tochter meiner besten Freundin zu mir schlich. „Kann ich auf deinem Schoß sitzen?“, fragte sie mich. Klar durfte sie! Und so saß sie bei mir und betrachtete aufmerksam das Geschehen weiter vorn. „Das ist langweilig!“, sagte sie nach einer Weile, und fing an auf meinem Schoß hin und her zu rutschen. Sie seufzte laut. „Gleich sagen sie „ja“, dann küssen sie sich, dann kommt noch ein Lied und dann kannst du Kuchen essen“, war mein phänomenal gut durchdachter Plan sie bei Laune zu halten. Das funktionierte auch für zwei Minuten, bis sie sich zu mir umdrehte und fragte: „Wo ist eigentlich dein Mann, Rebekka?!“ – Perplexer Blick meinerseits, dieses Gespräch kam voll aus dem Nichts! „Ich hab doch gar keinen, oder hast du mich schonmal mit einem gesehen?“, fragte ich. Sie überlegte kurz: „Nein… Willst du keinen?“ Das kann ja heiter werden, dachte ich, und flüsterte leise zurück: „Doch, aber dafür muss ich ihn ja erst einmal kennenlernen, und ich glaube ich kenne ihn noch nicht.“ Ich fragte mich kurz wie hoch wohl die Wahrscheinlichkeit ist, dass ich ihn doch schon kenne ohne es zu ahnen. Ein bisschen gruselig der Gedanke, findet ihr nicht?! Oder spannend, ich weiß nicht so genau.  Kommt drauf an wer es ist;). Zum Glück blieb mir nicht viel Zeit, denn das Gespräch nahm eine interessante Wendung: „Meine Mama hat einen Mann!“, verkündete mir dieses süße Mädchen auf meinem Schoß. Ich musste lachen. „Ich weiß“, sagte ich, „ich kenne ihn sogar!“ – „Und sie haben zwei Kinder. Eins davon bin ich!“, erklärte sie mir. Ich musste schmunzeln, dass sie den Zusammenhang, dass ich den Mann meiner besten Freundin – ihrer Mama – und auch die beiden dazugehörigen Kinder kenne, nicht sah. „Willst du keine Kinder?“, fragte sie weiter. Ich drehte den Kopf zur Seite – neben mir saß ein Freund, der sich bereits sichtlich amüsierte… Äh… also… „Dafür muss ich aber doch erst einen Mann kennenlernen.“, erklärte ich ihr. Das schien Sinn zu ergeben, außerdem tat sich vorne endlich was, und so legte sie ihren Kopf wieder an meine Schulter und wartete darauf, dass sie endlich raus zum spielen durfte.

Ich sag mal so: wenn Kinder fragen, warum man keinen Mann hat, kommt es meistens plötzlich – und dann stellt sich die Frage wie ich darauf antworten will. Oder kann. So viele Antwortoptionen gibt es nicht, die ich einer 7-jährigen erklären könnte. Ähnlich verhält es sich übrigens, wenn alte Menschen diese Fragen stellen. „Sind Sie verheiratet?“, fragen sie dann. „Nein, bin ich nicht.“, sage ich, woraufhin sie sofort fragen: „WIESO WOLLEN SIE DENN KEINEN MANN????“ Aha, daran liegt es!! Hahaha, ich muss jedes Mal lachen, wenn diese Fragen kommen. Nicht verheiratet zu sein muss also bedeuten, dass ich keinen Mann will. Stimmt, die vielen abgewiesenen Heiratsanträge bezeugen das. Nicht.

Ich finde es immer wieder amüsant – denn am Ende sage ich Kindern und Senioren oft dasselbe: Um zu heiraten, muss ich erstmal einen Mann finden, und dann müssen wir ja auch noch beide heiraten wollen! So einfach ist das nämlich;).

Übrigens: sollten mich die Kinder meiner Freunde demnächst fragen, warum ich einen Mann haben muss um Kinder zu haben, werde ich sie ein kleines bisschen schadenfroh anlächeln und sagen: „Das frag mal deine Eltern!“ Sollen doch auch mal andere die wirklich wichtigen Fragen des Lebens beantworten;)!! Das sehe ich jetzt nicht unbedingt als meinen Bildungsbeitrag an! Ich hab genug damit zu tun zu erklären, dass nicht verheiratet zu sein nicht bedeutet, dass ich heiraten doof finde. Nur, dass ihr Bescheid wisst…

„Na klar!“- Single?

An diesem Wochenende war ich auf einer Konferenz im Süden Deutschlands. Ich durfte ein Seminar zum Thema Singles in Gemeinde geben. Sagt man das so? Vielleicht hab ich es auch einfach nur angeboten oder durchgeführt;). In diesem Seminar saßen die unterschiedlichsten Menschen, egal ob Single, geschieden, verheiratet, verwitwet oder über viele Jahre Single, und erst seit kurzer Zeit in einer Beziehung.

Wir sprachen über das Leben als Single, die Vor- und Nachteile, und auch über Möglichkeiten Singles vor allem im Kontext Gemeinde zu ermutigen und zu unterstützen. Einer der Teilnehmer fragte mich wie viele Singles meiner Meinung nach wohl „na klar!“- Singles seien. Darüber kamen wir in der Gruppe ins Gespräch.

Aber mal ehrlich: bist du mit vollem Herzen Single? Immer und zu jeder Zeit? Ich bin nicht sicher wie viele Singles von sich selbst behaupten würden, dass sie immer nur gern Single seien. Ist ja auch nicht jeder Partner in einer Beziehung immer und zu jeder Zeit ein „na klar!“- Partner – denn Beziehung kann manchmal auch anstrengend und hart sein. Und genauso ist es im Singleleben denke ich. Ja, oft bin ich fröhlich mit all den Freiheiten und Möglichkeiten, die mir das Leben allein bringt. Dennoch gibt es Momente, in denen mir das Leben alleine schwer fällt. Und ich glaube, dass es wichtig ist, dass diese Gefühle ihren Platz erhalten. Mich zwanghaft ablenken und die Gefühle verdrängen bringt mich nicht weiter. Und deshalb ermutige ich Andere in ihrer Gemeinde, aber vor allem auch in Freundschaften und anderen zwischenmenschlichen Kontakten, Raum zu lassen. Raum zu lassen für diese ganze Palette an Gefühlen, die manchmal so plötzlich kommt. Die Sehnsucht nach einem Partner, sich das Gefühl von Einsamkeit einzugestehen, von Angst, und das auch mal stehenlassen zu können. Nicht gleich überspringen und übergehen, sondern aushalten lernen.

Blöd nur, wenn es dich dann plötzlich wieder selbst (be)trifft, und du dich selbst an deine Ermutigungen halten musst. Denn nur wenige Stunden nach einem tollen Seminar und wundervollen Begegnungen und Gesprächen mit anderen merkte ich wie schwer es mir fällt nach einer vollen und tollen Konferenz nach Hause zu fahren. Mich hat all das was mich erwartet irgendwie überrollt. Während alle anderen daheim von ihren Familien erwartet werden, käme ich allein heim. Und dann geht der gewohnte Kreislauf wieder los: ich muss die Wäsche waschen, mein Kühlschrank ist auch leer – und irgendwie hat mich all das für einen Moment überwältigt. Keiner da, dem ich von meinen Erlebnissen der Konferenz erzählen kann. Keiner mit dem ich die anstehenden Entscheidungen in meinem Leben besprechen, und vor allem teilen und gemeinsam tragen kann! Und während ich an dem Abend Zeit hatte all meine Gedanken zu sortieren und dem so nachspürte, flossen einige Tränen – weil es mich in dem Moment überfordert hat. Und es würde nichts helfen: ich würde am Abend schlafen gehen und am nächsten Morgen würde ich ja doch aufstehen und es irgendwie anpacken und durchziehen müssen.

Dennoch war es irgendwie gut diese Gefühle zu benennen. Und was mir dabei auch noch einmal besonders wichtig geworden ist: versteck dich mit der Scham und Angst und Unsicherheit, die dieser Moment mit sich bringt nicht! Ja, es fühlt sich blöd an. Und ja – es ist hart. Und doch: Ich bin in die Offensive gegangen, und hab meinen engsten Freundinnen später an diesem Abend noch davon erzählt. Denn wenn ich mich damit verstecke und zurückziehe lasse ich zu, dass die Angst die Kontrolle übernimmt und mich einengt – und das will ich nicht!

Und am Ende? Am Ende war ich einen Tag später auf der Heimfahrt und habe einmal mehr erlebt wie Gott mich versorgt. Eine Einladung zum Grillen brachte gleich mehrere Vorteile mit sich: 1. war es egal, dass mein Kühlschrank gerade noch leer ist. Und 2. war während des Essens Zeit, um die letzten Tage mit Freunden noch einmal Revue passieren zu lassen und von unseren Highlights zu erzählen, Erlebnisse zu teilen. Anschließend bin ich erschöpft von der Fahrt und den langen Tagen heim gekommen – trotzdem alleine und trotzdem noch mit einem Korb voller Wäsche und vor mir liegenden Entscheidungen. Aber in dem Wissen, dass ich GESEHEN bin – mit all den Gefühlen, der Überforderung und der Unsicherheit, auch dann wenn ich kein „na klar!- Single bin. Dass Gott mich sieht und versorgt – immer wieder neu, immer wieder überraschend, immer wieder gut!

„Sei du es dir wert“

An diesem Wochenende hat mich meine Mama besucht. Sie hat mir aus ihrem Kurzurlaub eine Karte mitgebracht. Auf der steht: Oma sagt: „Wenn du keinen Mann findest, ist das nicht schlimm. Dann machst du dir halt ein schönes Leben.“ Find ich super, die hab ich gleich mal im Wohnzimmer aufgestellt.

Sie hat mir ein bisschen erzählt was sie aus meinem Buch so mitgenommen hat, und was sie während des Lesens gelernt hat. Und wir haben festgestellt, dass es uns in manchen Situationen ähnlich ergeht- egal ob Single oder nicht. Beispielsweise frühstückt sie unter der Woche immer alleine, weil mein Papa dann schon längst bei der Arbeit ist. Jetzt hat sie sich vorgenommen ein hübsches Service zu kaufen, das sie immer zum Frühstücken nutzt wenn sie alleine isst. Ihre Freundin hat sie darin bestärkt: „Sei du es dir wert“, hat sie gesagt. „Das kannst du doch auch machen!“, hat Mama mir dann geraten. „Und dann richtest du dir an deinem Tisch einen hübschen Platz ein, an dem du immer sitzt.“

Die Idee finde ich gut. Etwas worauf ich mich freuen kann, was ich gerne anschaue wenn ich alleine daheim esse.

Also sind wir spontan in die Stadt gefahren und haben uns gemeinsam je einen Teller und eine Tasse gekauft; ich hab noch eine Müslischale dazu genommen. Als wir zur Kasse gehen bleibt Mama plötzlich stehen und sagt:“ Ich kann das tolle Geschirr bestimmt nur alle drei Tage nutzen – bis die nächste Spülmaschine läuft, weil wir die so schnell zu zweit nicht voll bekommen.“ Ich winke ab und sage: „Mama, ist doch kein Problem. Dann spülst du die mit der Hand – das solltest du dir wert sein!“ :))

PS. Dass die Tasse ganz wunderbar zum Motto meines Buches passt habe ich erst gecheckt, als ich das Foto hochgeladen habe. Muss Intuition gewesen sein!!:)

Die Sache mit den Feiertagen

Alle Jahre wieder…

Das bedeutet für jeden etwas anderes. Ich freue mich jedes Jahr wie ein kleines Kind über die Adventszeit. Ich liebe die vielen Lichter, die Gemütlichkeit, das Besondere, das in der Luft liegt. Manch einem geht es anders. Da bedeutet die Zeit um Weihnachten vor allem Stress.

Ich habe in den vergangenen Weihnachtstagen wieder etwas neu festgestellt:

Ich LIEBE Heiligabend als Single. Also, den Tag an sich! Während meine Freundinnen umgeben von aufgeregten Kindern sind, müssen sie noch die letzten Geschenke einpacken, den Tisch decken und das Essen vorbereiten. Das bedeutet viel Stress, und zwar schon gleich nach dem Aufstehen. Die Gans soll in den Ofen, die Oma muss vom Bahnhof abgeholt werden, die Kinder üben noch einmal für ihr Krippenspiel. Und ich? Ich habe bis mittags endlich mal wieder ausgeschlafen, in Ruhe gefrühstückt, eine Serie geschaut, dabei Geschenke verpackt und mich dann für den Gottesdienst bereit gemacht. Ein entspannter Tag also! Und dann? Dann war ich bei meiner Familie, hatte eine gute Zeit, habe lecker gegessen und bin wieder schlafen gegangen. Okay, also ganz so einfach war es dann doch nicht.
Aber Spaß beiseite- ich glaube, dass es für viele Alleinstehende und Alleinlebende mit die härtesten Tage des Jahres sind. Die meisten Menschen sind bei ihren Familien und Lieben irgendwo daheim, während Singles oft nicht wissen wie sie ihren Abend ohne Depressionen überstehen sollen. Wobei ja auch da die Geschmäcker verschieden sind. Es soll ja Menschen geben, die es nicht stört den Abend bei einem Glas Wein allein daheim zu verbringen.

Aber ich habe noch etwas festgestellt: Mein Heiligabend ist nur deshalb so toll, weil ich ihn im Kreis lieber Menschen verbringen darf. Weil ich Freunde treffe in der Gemeinde und anschließend nach Hause zu meiner Familie fahre. Dafür bin ich umso dankbarer, weil es mir die Weihnachtstage wirklich leicht macht!

Ich hoffe, dass wir die Menschen, die an diesen Tagen alleine sind, nicht aus dem Blickfeld verlieren. Sie einladen dazu zu kommen, mit dabei zu sein. Nicht als außenstehender Gast, sondern mittendrin! Das gilt eigentlich für jeden Tag im Jahr – aber für Weihnachten eben ganz besonders!

Unerwartete Begegnungen

Ein freier Sonntag. Nach einer langen Woche endlich Zeit für einen Kaffee und um Tagebuch zu schreiben. Also bin ich trotz dichtem Schneefall Richtung Nachbarstadt gefahren. Ich sitze noch nicht lange am Tisch als eine ältere Frau reinkommt. „Magst du lieber allein sitzen oder darf ich dir Gesellschaft leisten?“ Ich überlege kurz: „Ist okay“, sage ich, und sie setzt sich mir gegenüber. Schon bald beginnt sie ein Gespräch. Oh nein, denke ich – ob ich hier noch zum Schreiben komme? Ich bin nicht ganz sicher warum sie sich ausgerechnet zu mir gesetzt hat. Während des Essens erzählt sie von dem Viertel, in dem sie wohnt, und von den Reisen in ferne Länder. Sie reist seit Jahren allein. Ob ihr das nicht langweilig wird, nur so mit sich allein unterwegs zu sein, frage ich sie. „Auf keinen Fall! Ich liebe es. Ich treffe überall Menschen. Ich setze mich oft dazu – selbst in Frankreich, wo das eigentlich total verpönt ist!“ Manchmal reist sie mit ihrem Sohn, oder Freunden. Wobei sie ihre Freunde mittlerweile in ganz Europa trifft. Jeden Winter treffen sie sich in den Bergen, um Ostern geht es nach Südfrankreich. Nächste Woche fährt sie wieder auf Tour, gemeinsam mit ihrem Wohnwagen. Bei ihrer unkomplizierten und offenen Art kann ich mir das sofort vorstellen: so lernt man Freunde in der ganzen Welt kennen.

Früher war sie Lehrerin. Heute im Ruhestand genießt sie das Leben allein. „Ich brauche keinen Lebenspartner, nur weil ich mal einsam bin. Das wäre ja bescheuert. Manche gucken da ja im Internet oder suchen jemand für eine kurze Nacht. Das ist nichts für mich. Ich genieße mein Leben wie es ist!“ Eine unerwartete Begegnung mit einer Frau, die das Leben und die kleinen Dinge liebt: sie schaut aus dem Schaufenster, und freut sich wie ein kleines Kind über das winterliche Wetter. Und so schaue ich ihr hinterher wie sie im Schneegestöber verschwindet, und schüttle den Kopf über diese zwischenmenschliche Begegnung mit einer Frau, deren Namen ich noch immer nicht weiß.

Werbung für Paare

Es gibt ja viele Arten Werbung zu betreiben. Als ich vor ein paar Tagen beim Supermarkt meines Vertrauens parkte, fiel mir ein großes Werbeplakat auf. Zu sehen auf den beworbenen Socken war: „wenn du das hier lesen kannst bring mir ein kühles Bier mit!“

Ha, dachte ich. Etwas Single- unfreundlich!! Diese Socken sind definitiv für eine andere Zielgruppe gedacht. Eine Freundin von mir meinte: „Kauf sie dir und stell nen Spiegel auf.“ – „Ich bin doch nicht verrückt“, hab ich geantwortet. „Dann muss ich ja jedes Mal selbst gehen! Das muss ich eh schon, da brauche ich keine Aufforderung!“

Das fehlt mir noch. Und überhaupt: diese Socken sind wohl kaum einen Punkt auf der Liste der „Vorteile einer Beziehung“ wert. Würde mein Mann solche Socken tragen, würde ich mir vielleicht ein Shirt machen mit dem Aufdruck „Schatz, du hast zwei gesunde Füße“ :).

Fazit: ich trage lieber Mamas selbstgestrickte Socken.